

|
|



Auf diesen Seiten möchten wir Ihnen die Rasse Border Collie näher bringen. Um das Verhalten dieses Hundes verstehen zu können, muss man wissen, woher er kommt und welche Art der Züchtung ihn zu dem gemacht hat, was er heute noch in weiten Teilen darstellt. Eine zukünftige Entwicklung scheint schon an den drei oberen Bildern ablesbar zu sein, die drei der einflussreichsten Border Collie Rüden zu ihrer Zeit darstellen. Der weit verbreitete schlanke Hütehund scheint mehr und mehr dem starkknochigeren, fellreicheren Ausstellungstyp zu weichen. Die folgenden als Link gekennzeichneten vier Themenbereiche geben Ihnen einen Einblick in die Welt der Border Collies und stellen dar, warum es zu bestimmten Entwicklungen innerhalb dieser Rasse gekommen ist.
Rassegeschichte Rassestandard Kurze Einführung in die Vererbung und Genetik beim Border Collie Charakter
Rassegeschichte
Der Mensch hat sich andere Lebewesen nahezu von Beginn seiner Evolution an zu Nutze gemacht. Die Beziehung zwischen den Menschen und den Caniden ist wohl schon deshalb eine solch innige, weil sie eine der ältesten Freundschaften zwischen Mensch und Tier darstellt. Über viele Jahrhunderte hinweg bildete der Einsatz bei der Jagd und zum Schutz, später etwa auch von Schafherden, den eigentlichen Verwendungszweck des Hundes. Schon der prähistorische Mensch verewigte seinen treuen Vierbeiner in künstlerischer Form, ausgedrückt in den zahlreichen gefundenen Höhlenmalereien. Assyrer und Hethiter schufen wundervolle Reliefs von Löwenjagden, in denen Hunde einen zentralen Platz einnehmen. Seit Beginn des Mittelalters sind Hunde häufig in religiösen Darstellungen zu sehen, so erscheint Judas Ischarioth häufig mit einem Hund zu seinen
Füßen auf Abendmahlsgemälden.
In Darstellungen des Alltagslebens des Mittelalters, namentlich in den bekannten Stundenbüchern, finden sich mit Miniaturen der Jahreszeiten verzierte Kalender. Die “Très Riches Heures” des Duc de Berry etwa zeigen verschiedene Hunderassen, unter anderem auch, und da wird es für uns interessant, Hunde, die Schafe zusammentreiben.
In England und Schottland entstanden im 16. Jahrhundert Hütehunde, aus denen sich allmählich die Collies als hochgeschätzte Helfer der Schäfer entwickelten. Vor allem auf großflächigen, kargen Weiden wurden diese Hunde zum Sammeln der Tiere und die Betreuung und Pflege der Herde unentbehrlich. In einer damals noch in Lateinisch verfaßten Schrift “De Canibus Britannicus" werden Mitte des 16. Jahrhunderts mittelgroße Hütehunde beschrieben, deren Führung durch den Schäfer und deren Arbeitsweise an der Schafherde an die heutigen Border Collies denken läßt. Seinen Ursprung hat der Border Collie im Schottischen Grenzgebiet (Border=Grenze). Die Herkunft und die Bedeutung des Wortes "Collie" ist dagegen umstritten, wird aber vermehrt auf das gälische Wort “colley”, was nützlich bedeutet, zurückgeführt. Denkbar ist aber auch, dass das lateinische Wort “collaborare”, zusammenarbeiten, in Verbindung mit dem Begriff steht.
Der ursprüngliche Border Collie entwickelte sich zum überragenden Schafspezialisten und verdrängte auch weitgehend die anderen britischen Hütehunde aus ihrem Arbeitseinsatz. Die ersten vom Phänotyp an den heutigen Border Collie erinnernden Gemälde sind aus dem frühen 19. Jahrhundert bekannt. Künstler wie George Harvey, Arthur Hacker, Frank Paton oder George Faulkner Wetherbee zeigen diese Hunde auf ihren Bildern stets in Verbindung mit einer Schafherde. Auch Schriftsteller wie Harriet Beecher Stowe hatten den Hütehund zum Thema, wie folgende amüsante Passage beschreibt:
“In den Bergen Schottlands gibt es eine Hunderasse, die sogenannten Schäferhunde, die mit ihrer langen Nase, den hohen Wangenknochen und ihrer bedächtigen Miene genauso aussehen wie die alten Schotten selbst...Ein alter Schotte erzählte uns von seinem Hund Hector, der, nachdem er ihm über Jahre bei Wind und Wetter zur Seite gestanden hatte, schließlich eine solche Ähnlichkeit mit ihm bekommen hatte, dass er den Hund eines Tages, als er selbst zu müde war, um in den Gottesdienst zu gehen, seinen Sitz in der Kirchenbank einnehmen ließ. Dem Pfarrer fiel nicht etwa der Schwindel auf, sondern er lobte ihn noch am nächsten Tag dafür, dass er der Predigt so aufmerksam gefolgt war.”
Seine nahen Verwandten, der größere meist langhaarige Collie, der sehr populär als TV-Star "Lassie" wurde, und der bärtige Bearded Collie, als auch der größere Bobtail, wurden als Mode- und Schauhund entdeckt und haben so in kurzer Zeit ihre
Fähigkeiten als Arbeitshund weitgehend verloren. Als Stammvater der modernen Border Collies wird der 1893 geborene "Old Hemp" angesehen, der wegen seiner überragenden Fähigkeit, Schafverhalten richtig einzuschätzen, als Zuchtrüde sehr begehrt war. Von ihm stammt auch die erste Fotografie, die einen Border Collie, wie wir ihn uns vorstellen, zeigt. Züchterischem Sachverstand und der glücklichen Hand seines Züchters Adam Telfer ist es zu verdanken, einen solch vortrefflichen Hund aus einer Paarung von Eltern erzielt zu haben, die beide von ihrer Veranlagung her völlig unterschiedlich waren. Roy, sein Vater, war wohl ein netter Hund, hatte aber kaum Talent zum Hüten. Seine Mutter, Meg, war das genaue Gegenteil, sie soll so hüteverrückt gewesen sein, dass sie sich selbst statt der Schaffe hypnotisiert hat. Es kam zu der glücklichen Synthese der unterschiedlichen Vorzüge seiner Eltern, während sich ihre Schwachpunkte nicht in de Welpen manifestierten. Züchterpech ist es hingegen, wenn genau das Gegenteil eintritt und der kleine Hund alle negativen Eigenschaften mitbekommt. Hemp wurde nur acht Jahre alt, zeugte aber immerhin etwa 400 Nachkommen, die seine herausragenden Fähigkeiten zu einem großen Teil mitbekamen.
Die Schaffarmer lernten, ihre unentbehrlichen Helfer, die Border Collies, mehr und mehr zu schätzen. Viele waren stolz auf ihre intelligenten und gehorsamen Hunde und setzten ihren Ehrgeiz daran, einen überragenden Hund auszubilden und zu besitzen.1873 wurde erstmals ein "Sheepdogtrial” in Bala (Wales) abgehalten, in dem die Hunde ihre Leistungen im Wettbewerb zu ihren Konkurrenten zeigen konnten. Diese Trials fanden in den folgenden Jahren immer häufiger und an verschiedenen Plätzen statt. Walter Helfer, der Bruder des Züchters von Old Hemp, war dabei der erste “English Trial Winner”. Für ihren Aufbau und ihre Bewertung der Aufgaben bildeten sich allmählich einheitliche Regeln heraus. Die einzigartigen Fähigkeiten der Border Collies und ihre Arbeitsweise an den Schafherden unter Wettkampfbedingungen beobachten zu können, gefällt vielen Leuten. So wurden die Veranstaltungen in England zunehmend populär. Sogar eine Fernsehserie "One Man and his dog", die den sportlichen Hütehundewettkampf zum Inhalt hat, begeistert viele Zuschauer. Die Border Collies haben sich inzwischen über ihr Ursprungsgebiet hinaus weltweit verbreitet. Als unentbehrliche Schafarbeitshunde werden sie bei den Schafhaltern geschätzt. Auch der Trialsport, der ihre Arbeitsweise demonstriert, gewinnt in vielen Ländern außerhalb Englands immer mehr Freunde.
1906 wurde die ISDS (International Sheep Dog Society) in England gegründet. Diese Organisation führte ein Register für arbeitende Hunde ein, einziges Kriterium für die Aufnahme war die Hüteleistung. Die allgemeine Überzeugung war und ist,
dass ein Standard, der irgendwelche Körpermerkmale, sei es Körberbau, Haarlänge, Ohrenform oder Fellfarbe vorschreibt, einen verderblichen Einfluß auf das Zuchtziel - excellent arbeitende Hütehunde - haben würde. Erst 70 Jahre später, nachdem Border Collies auch außerhalb der Schafherde zunehmend beliebter wurden und auch zu anderen Zwecken gehalten und gezüchtet wurden, übernahm der Britische Kennel Club auch Border Collies in seine Obhut. Hier wurde ein Standard aufgestellt und die Hunde wurden zur Begutachtung im Schauring vorgeführt. Die ISDS arbeitet aber weiterhin unabhängig von diesen Zuchtverbänden und stellt für Border Collies mit ISDS- Abstammung die ISDS Papiere aus, ohne indessen im Einzelfall zu prüfen, ob jeder einzelne Hund noch typische Hüteeigenschaften besitzt. Ausgangspunkt für die Aufstellung eines Rassestandards seitens der Engländer war das Begehren der Australier, einen selbst entworfenen Standard vorzulegen und den Border Collie als australische Rasse anerkennen zu lassen, denn auch dort und im nicht weit entfernten Neuseeland hat der Border Collie eine lange Geschichte. Natürlich wollten es sich die Engländer nicht nehmen lassen, diese zweifelsfrei britische Rasse auch ihrem Ursprungsland zuschreiben zu lassen.
Mit der Aufstellung eines Rassestandards, der bewusst viel Spielraum für Interpretationsmöglichkeiten bietet, wurde der Border Collie, wie bereits angedeutet, als Schauhund entdeckt. Schon bald wurden vom Britischen Kennel Club sogenannte “CC’s” (Championship Certificates), Anwartschaften auf den Titel Schönheitschampion, auf Championship-Shows vergeben. Zunächst standen der Rasse nur wenige dieser Anwartschaften zu, mit dem steilen Anstieg der Meldezahlen wurden aber mehr und mehr zuerkannt. Es ist wohl nicht zu leugnen, dass mit dieser Anerkennung des Border Collie als Schauhund bei vielen Züchtern die oberste Priorität nicht mehr auf der Arbeitsfähigkeit, sondern mehr auf dem Phänotyp, dem äußeren Erscheinungsbild dieses Hundes, liegt. In den letzten Jahren wird der Border Collie, nicht nur in England, zunehmend von dem “australischen Typ” des Border Collie beeinflusst. Begonnen hat diese Entwicklung mit dem neuseeländischen Rüden “Clan Abby Blue Abberdoone”, der als erster Border Collie zurück “auf die Insel” geholt wurde. Dort deckte er über 100 Hündinnen und hatte sehr erfolgreichen Nachwuchs im Ausstellungsring. Gekennzeichnet sind die australischen Border Collies durch einen häufig sehr viel stärkeren Knochenbau und längeres Fell. Clan Abby Blue Abberdoone hatte somit annähernd einen ebenso großen Einfluss auf die Rasse heute wie Legenden wie etwa Wiston Cap oder Bosworth Coon. Besonders Wiston Cap (ISDS 31154), der 1963 geboren wurde, hatte unzählige Nachkommen, in den meisten Ahnentafeln heutiger Border Collies findet sich dieser Name. Er stammt aus den Linien, die J.M. Wilson züchtete, ein legendärer Züchter und auch Hundeführer auf Hütewettkämpfen. Einer seiner erfolgreichsten Hunde war Cap (ISDS 3036), der als Zuchtrüde 188 registrierte Nachkommen zeugte, etwa International Champion Mirk (ISDS 4438), ein herausragender Arbeitshund.
In den letzten 10-15 Jahren prägen mehr und mehr die auf Ausstellungen erfolgreichen Hunde die Rasse, ein deutliches Indiz dafür, dass die Wichtigkeit der Hütefähigkeit an Bedeutung verliert. Hier sind insbesondere solch bekannte Hunde wie SH CH Viber Travelling Matt of Corinlea, SH CH Cluff of Mobella, SH CH Melodor Flint of Dykebar oder auch Whenway Royal Highlander zu nennen, der in den letzten Jahren zahlreiche Hündinnen gedeckt hat. Dessen Vater, der zweifache International Supreme Champion Spot (ISDS 161819), darf mit etwa 500 Nachkommen ebenfalls zu den einflussreichen Hunden der Rasse Border Collie gezählt werden. Er ist einer der herausragenden Rüden, die großartige Arbeitsfähigkeit gepaart mit einem typvollen Äußeren vererben.
Der Border Collie in Deutschland
In Deutschland steht der Border Collie in engem Zusammenhang mit dem Namen Werner Kupka, der den ersten Hund dieser Rasse importierte. Auf sein Bestreben nahm der Club für Britische Hütehunde, der einzige zuchtbuchführende Verband dieser Rasse in Deutschland, seine Hündin “Farina of Helenenhof” 1981 ins Zuchtbuch auf.
Zu Beginn wurden lediglich schwarz-weiße und dreifarbige Hunde eingetragen, doch schon bald kam eine Vielzahl neuer Farbvarietäten hinzu. 1987 wurde die Arbeitsgemeinschaft Border Collie Deutschland gegründet, deren Anliegen der Erhalt des hütenden Border Collies ist. Zu diesem Zweck werden Ausbildungsseminare und Hütewettbewerbe (Trials) organisiert. 1994 stellte sich heraus, daß schon jetzt die Interessen der Züchter nicht mehr zur Hütearbeit eingesetzter und meist auch untauglicher Britischer Hütehunde nicht mit den Anliegen der Arbeitshundeidealisten in Einklang zu bringen waren. So wurde auf einstimmigen Beschluß der ABCD-Mitglieder ein eigenständiger Verein etabliert, der unabhängig von Züchterorganisationen sich nur dem Arbeitseinsatz der hütenden Border Collies widmet. Es bleibt zu hoffen, dass dem Nacheifern nach äußerlicher Schönheit dieser Tiere ihre Grundeigenschaft, das Hüten, nicht zum Opfer fällt.
Neben dem Helenenhof sind in Deutschland sicher noch die Zwinger ”mein Schäfergesell” oder auch “vom Beutenhof” als Zuchtstätten der ersten Stunde zu nennen. Etwas später hatten die Hunde aus den Zuchten von Meike Bockermann “vom Weideland” oder Eckhard Siebert “vom Birkenhof” großen Anteil an der Entwicklung der Rasse in Deutschland. Mittlerweile hat sich auch hier mehr und mehr der “Trend” etabliert, Hunde aus Australien oder Neuseeland zu importieren. Wie sich die Rasse hier weiter entwickeln wird, bleibt sicher sehr interessant zu beobachten.
Seitenanfang
Der Rassestandard nach FCI Nr. 297 des Border Collie vom 08.09.1988
1. Allgemeines Erscheinungsbild
Die allgemeine Erscheinung soll die eines gut proportionierten Hundes sein, wobei die geschmeidigen Außenlinien Qualität, Anmut und vollkommene Harmonie in Verbindung mit genügend Substanz zeigen, wodurch der Eindruck entsteht, dass der Hund zu ausdauernder Leistung fähig ist. Jegliche Tendenz zu Plumpheit oder Schwäche ist unerwünscht.
2. Wichtige Massverhältnisse
Oberkopf und Nasenrücken sollen etwa gleich lang sein. Der Körper soll im Vergleich zur Schulterhöhe etwas länger sein.
3. Verhalten und Charakter
Aufgeweckt, aufmerksam, führig und intelligent, weder nervös noch aggressiv.
4. Kopf - Oberkopf
Schädel ziemlich breit, Hinterhaupthöcker nicht ausgeprägt. Stop: sehr ausgeprägt.
GESICHTSSCHÄDEL:
Nase: Schwarz, außer bei braunen oder schokoladefarbenen Hunden, wo sie braun sein darf. Bei blauen Hunden sollte sie schieferfarben sein. Nasenlöcher gut entwickelt.
Schnauze: Fang, sich zur Nase hin verjüngend, mäßig kurz und kräftig.
Backen: Weder voll noch abgerundet.
Zähne und Kiefer: Kräftig, mit einem perfekten, regelmäßigen und vollständigem Scherengebiss, d.h. ein Gebiss, bei dem die Schneidezähne des Oberkiefers knapp über die Schneidezähne des Unterkiefers greifen, wobei sie senkrecht zum Kiefer gestellt sind.
Augen: Weit auseinanderstehend, oval, von mittlerer Größe und braun, außer bei Bluemerles, wo ein Auge oder beide teilweise oder ganz blau sein dürfen. Ausdruck sanft, aufgeweckt, aufmerksam und intelligent.
Ohren: Von mittlerer Größe und Textur, weit auseinanderstehend, aufrecht oder halb aufrecht getragen, ausdrucksvoll beweglich.
5. Hals
Von guter Länge, kräftig und muskulös, leicht gewölbt, zu den Schultern hin breiter werdend.
6. Körper
Körper von athletischem Aussehen.
Brust: Tief und ziemlich breit. Rippen gut gewölbt.
Lenden: Muskulös, aber nicht aufgezogen.
Kruppe: Breit und muskulös, von der Seite her gesehen anmutig zum Rutenansatz hin verlaufend.
Rute: Mäßig lang, mit ihrem letzten Wirbel mindestens bis zum Sprunggelenk reichend, tief angesetzt, gut behaart, mit einem Aufwärtsschwung am Ende, der die anmutige Außenlinie und Harmonie des Hundes abrundet. Im Erregungszustand kann die Rute höher, aber nie über dem Rücken getragen werden.
7. Gliedmassen
Vorderhand: Vorderläufe von vorne her gesehen parallel, Fesseln von der Seite betrachtet leicht schräggestellt. Knochen kräftig aber nicht grob. Schultern gut zurückgelegt, Ellenbogen dicht am Körper anliegend.
Pfoten: Pfoten oval, Ballen gut gepolstert, kräftig und gesund, Zehen gewölbt, eng aneinanderliegend, Krallen kurz und kräftig.
Hinterhand: Oberschenkel lang, kräftig und muskulös, mit gut gewinkelten Kniegelenken und kräftigen tiefliegenden Sprunggelenken. Vom Sprunggelenk bis zum Boden starker Knochenbau. Hinterbeine von hinten gesehen parallel.
8. Gangwerk
Die Bewegung soll frei, fließend und unermüdlich sein, wobei die Pfoten möglichst wenig abgehoben werden, damit sich der Hund schleichend und mit großer Geschwindigkeit bewegen kann.
9. Haarkleid
Beschaffenheit des Haares: Zwei Fellvarietäten sind anerkannt, eine mäßig lange und eine stockhaarige. Bei beiden Varietäten ist das Deckhaar dicht und von mittlerer Textur, Unterwolle weich und dicht, was dem Border Collie einen wetterfesten Schutz verleiht. Bei der mäßig langen Fellvarietät bildet das reichliche Haarkleid Mähne, Hosen und Fahne. An Gesicht, Ohren, Vorderläufen (ausgenommen Federn) und Hinterläufen vom Sprunggelenk bis zum Boden soll das Haar kurz und glatt sein.
Farbe: Eine Vielfalt von Farben ist erlaubt, wobei weiß nie vorherrschen soll.
10. Größe und Gewicht
Idealhöhe: 53cm, Hündinnen etwas weniger.
11. Hoden
Rüden müssen zwei äußerlich normale, gut in den Hodensack abgestiegene Hoden aufweisen.
12. Fehler
Jede Abweichung von den genannten Punkten soll als Fehler angesehen werden, wobei deren Gewichtung der Schwere des Fehlers Rechung tragen soll.
Kurze Einführung in die Vererbung und Genetik beim Border Collie
Die Genetik ist ein Thema, mit dem man ohne Probleme ganze Bücher füllen kann. An dieser Stelle kann natürlich nur eine kurze Einführung in die wichtigsten Begriffe gegeben werden, der Schwerpunkt liegt dabei auf der Farbvererbung. Es soll versucht werden, die Begriffe anhand von praktischen Beispielen zu erläutern.
Was ist ein Chromosom, was ein Gen?
Chromosomen sind die Träger des Erbgutes, welches von den Elterntieren an die Welpen weitergegeben wird. Chromosomen treten als Paare auf, jedes Paar befindet sich in einem Zellkern (jedes Lebewesen besteht aus Zellen). Bei der Befruchtung verschmelzen die männlichen und weiblichen Eizellen, jede davon enthält zwar den durch die Reduktionsteilung lediglich einfach auftauchenden Chromosomensatz, dieser ist aber vollständig, so dass sowohl die Merkmale des Vaters als auch der Mutter enthalten sind. Es bildet sich wieder ein Chromosomenpaar. Auf jedem einzelnen Chromosom dieses Chromosomenpaares liegen die beiden sogenannten allelen Gene, die verschiedene Formen der selben Erbinformation tragen. Dies soll ein Beispiel verdeutlichen:
Es verbinden sich immer solche Chromosomen, die identische Erbinformationen (Gene), also z.B. Fellfarbe, tragen. Da es unterschiedliche Farbvarietäten gibt, hängt es von den Eigenschaften der Gene ab, welche Farbe sich durchsetzt. Hier kommen zwei weitere Begriffe ins Spiel:
Homozygote und heterozygote Gene
Nehmen wir an, beide Elterntiere zeigen in ihrem Phänotyp (äußeres Erscheinungsbild) schwarz-weiße Farbe und ihr Genotyp (vorhandene Gene, die nicht unbedingt äußerlich sichtbar sein müssen) besteht ebenfalls nur aus schwarz und weiß. Dann können die aus dieser Verpaarung entstehenden Welpen ausschließlich schwarz-weiß sein, dies bezeichnet man als homozygot (reinerbig). Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass ein Elterntier rot-weiß ist. Trifft nun ein schwarz-weißes Gen auf ein rot-weißes, so ist die Fellfarbe dennoch schwarz-weiß, aber es handelt sich bei dem entstehenden Paar um ein mischerbiges, also heterozygotes, da unterschiedliche Informationen enthalten sind, nämlich schwarz-weiß und rot-weiß. Warum nun schwarz-weiß sichtbar ist, erklärt sich aus den folgenden zwei Begriffen:
Dominante und rezessive Gene
Wie schon gesagt, erscheint von den unterschiedlichen Genen nur eines im äußeren Erscheinungsbild, nämlich das schwarz-weiße Gen. Dieses Gen, welches sich im Phänotyp zeigt, bezeichnet man als dominantes Gen, also das solche, welches das andere überdeckt. Das rezessive Gen, also das, welches von dem dominanten überdeckt wird, kann sich nur im Phänotyp zeigen, wenn sich zwei rezessive Gene für dasselbe Merkmal auf dem Chromosomenpaar befinden. Beispiel: Ein schwarz-weißer Rüde, der rote Gene trägt, also mischerbig ist, wird mit einer roten Hündin verpaart. Das rote Gen liegt doppelt vor und somit können rote Welpen entstehen.
Natürlich ist der Erbgang hier aus Gründen der Anschaulichkeit vereinfacht dargestellt. Noch immer sind nicht alle Arten der Vererbung erklärbar, es kommt immer wieder zu Überraschungen, was die Zucht ja auch sehr interessant macht. Zu beachten ist, dass rezessive Gene über mehrere Generationen verdeckt bleiben können, was für die Vererbung etwa von Krankheiten sehr tückisch ist. Man kann über Jahre hinweg gesunde Hunde züchten, ohne zu wissen, dass der eigene Hund vielleicht ein defektes Gen trägt, und auf einmal gerät man an einen Zuchtpartner, der dieses Gen ebenfalls trägt. So kann sich dann eine Krankheit urplötzlich zeigen.
Farbvererbung beim Border Collie
Nun soll nochmal auf die Farbvererbung eingegangen werden. Das typische äußere Erscheinungsbild des Border Collie ist schwarz-weiß. Allerdings sind noch zahlreiche andere Farben erlaubt. Folgende Übersicht zeigt die Farben und ihre Vererbung:
schwarz-weiß: dominant
rot-weiß: rezessiv geg. schwarz-weiß
blau-weiß: rezessiv geg. schwarz-weiß
bluemerle: dominant geg. schwarz-weiß
redmerle: dominant geg. schwarz-weiß
sable: rezessiv geg. schwarz-weiß
Das merle-Gen stellt eine Besonderheit dar, weil es sich dominant geg. schwarz-weiß verhält. Nun könnte man sich fragen, warum aus einer Verpaarung von einem schwarz-weißen mit einem merle-Hund auch schwarze Hunde resultieren. Dies liegt daran, dass merlefarbene Hunde ein zugehöriges rezessives Gen haben, dass im Falle des Aufeinandertreffens von schwarz-schwarz eben wieder schwarz-weiße Hunde hervorbringt.
Interessant zu erwähnen ist, dass kurioserweise viele erwünschte Eigenschaften des Border Collie rezessiv vererbt werden, so etwa die langhaarige Fellvarietät (es gibt bekannterweise auch kurzhaarige Border Collies) oder das aufrecht getragene Ohr (Hängeohren vererben sich dominant!). An diesen Beispielen kann man sehr gut erkennen, wie vielschichtig die Zucht von Hunden ist und wie sorgfältig man als verantwortungsvoller Züchter die Zucht planen muss.
Entgegen früherer Annahmen vererben sich Rüde und Hündin zu etwa 50%, so dass beide Zuchttiere von hoher Qualität sein müssen. Ein guter Hund kann nur bedingt die Fehler des Zuchtpartners ausgleichen. In der Praxis macht man sich das Wissen über vorhandene Gene der Zuchttiere zu Nutze. Möchte man eine bestimmte Eigenschaft ausprägen, wird man einen Zuchtpartner suchen, der verstärkt das gewünschte Merkmal hat, etwa Hütetrieb, langes Fell oder ähnliches. Resultierend aus diesem Wissen haben sich drei Zuchtmethoden herausgebildet, die angewendet werden:
Linienzucht, Inzucht, Outcross
Als Linienzucht bezeichnet man, wenn Tiere bis zu einem gewissen Grade verwandt sind, etwa das Verpaaren von Großvater mit Enkeltochter, Neffe mit Tante usw. Der Vorteil hier ist, dass vorhandene Merkmale, die durch die gemeinsamen Vorfahren existent sind, herausgearbeitet werden können. Natürlich treten hier auch die negativen Eigenschaften ans Tageslicht, so dass man sehr sorgfältig abwägen sollte, ob die zu erwartenden Vorteile die Nachteile aufwiegen oder besser übertreffen, nur
dann macht dies Sinn.
Von Inzucht spricht man, wenn man sehr eng verwandte Hunde, also etwa Bruder und Schwester, Vater und Tochter usw. verpaart. Auf Inzucht sollte man verzichten, da aus solchen Verpaarungen häufig mißgebildete oder gestörte Hunde entstehen. Die Erlaubnis des Zuchtverbandes ist bei solchen Verpaarungen vorher unbedingt einzuholen.
Unter Outcross (Auskreuzung) versteht man, wenn man zwei Hunde verpaart, die über viele Generationen keine gemeinsamen Vorfahren haben. Häufig sind solche Paarungen ein Roulettespiel, da man sehr schwer einschätzen kann, was für ein Resultat man erzielt. Dennoch scheint es, als ob aus solchen Verpaarungen die gesunden, robusten Tiere hervorgehen. In jedem Fall sollte man, bevor man züchtet, sehr genaue Informationen über beide Elterntiere einholen und nur mit qualitativ hochwertigen Hunden züchten, um die Qualität der Eltern möglichst zu übertreffen und somit die Rasse weiter zu bringen.
An dieser Stelle sei die kurze Einführung in die Genetik beendet. Empfehlenswerte Bücher, die weit über das hier Gesagte hinausgehen, finden Sie unter dem Menüpunkt Buchtipps!
Charaktermerkmale des Border Collie
Der Border Collie ist nach einer bekannten amerikanischen Studie im Hinblick auf Gehorsamsintelligenz die klügste aller Hunderassen. In der Tat gibt es wohl keinen anderen Hund, der so arbeitswillig, arbeitsliebend UND arbeitsbedürftig ist wie diese Rasse. Durch selektive Züchtung hat der Border Collie gelernt, während seiner Arbeit an der Schafherde ein gewisses Maß an Selbständigkeit zu erreichen und gewisse Probleme quasi “alleine zu lösen”. Dabei liebt es der Border Collie, gemeinsam mit seinem Herrn Aufgaben in Angriff zu nehmen. Letzteres ist es, was diese Hunderasse vor allem bei Sportlern überaus beliebt macht: Die Kooperationsbereitschaft, die er mitbringt, die Aufmerksamkeit und verblüffende Lernschnelligkeit machen das Arbeiten angenehm. Doch hier liegt auch die große Gefahr: Wird der Border Collie nicht gefordert, sucht er sich seine Beschäftigung von selbst, dies endet leider häufig (und in zunehmendem Maße) wenig erfreulich. Von Selbstverstümmelungen über Aggressivität bis hin zu einer enormen Zerstörungswut gegenüber Gegenständen kommt alles vor. Somit kann man zwei Seiten an dieser faszinierenden Rasse beobachten: Der ausgeglichene, richtig und ausreichend beschäftigte Border Collie ist aufgeschlossen, kooperativ, kinderlieb, verschmust und somit der fantastischste Begleiter der Welt. Allerdings ist er auch sensibel und besonders die Rüden können sehr dominant sein. Diese Mischung macht die Erziehung häufig nicht einfach. Hündinnen sind häufig ein wenig verschmuster, können aber auch ein wenig “zickig” sein. Wird der Hund jedoch unterfordert, zeigt er eine andere Seite: Er neigt zu den schon erwähnten Problemen. Somit sollte man sich, bevor man den Hund anschafft, genau darüber im Klaren sein, was einen erwartet und was der Hund verlangt. Wenn man es schafft, eine gute Bindung zu seinem Partner aufzubauen, belohnt einen der Border Collie mit seiner unbestechlichen Treue. Er würde für seinen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes “durchs Feuer gehen” und alles für ihn tun. Weitere Informationen zu diesem Bereich erhalten Sie auch unter dem Punkt Haltung.
Seitenanfang